Die Geschichte des Tarot – von Spielkarten zur spirituellen Praxis
- Melli

- 13. März
- 3 Min. Lesezeit
Tarotkarten gehören heute für viele Menschen zur spirituellen Praxis. Sie werden für Selbstreflexion, persönliche Entwicklung oder als Werkzeug genutzt, um neue Perspektiven auf bestimmte Lebenssituationen zu bekommen.
Doch Tarotkarten haben nicht immer diese Bedeutung gehabt.
Ihre Geschichte reicht mehrere Jahrhunderte zurück und beginnt ursprünglich ganz anders als viele vermuten.
Die ersten Tarotkarten in Europa
Die frühesten bekannten Tarotkarten stammen aus dem 15. Jahrhundert in Europa, vor allem aus Italien.
Damals wurden sie jedoch nicht für spirituelle Zwecke verwendet, sondern als Spielkarten. Dieses Spiel wurde häufig als „Tarocchi“ bezeichnet und war besonders in adeligen Kreisen beliebt.
Ein berühmtes historisches Beispiel ist das sogenannte Visconti-Sforza Tarot, das im 15. Jahrhundert für die Familie Visconti in Mailand angefertigt wurde.
Diese Karten waren aufwendig gestaltet und zeigen bereits viele der Motive, die auch heute noch im Tarot vorkommen – zum Beispiel Figuren wie der Narr, der Magier oder die Hohepriesterin.
Zu dieser Zeit hatten die Karten jedoch noch keine bekannte Verbindung zur Wahrsagerei.
Wann Tarotkarten zum Kartenlegen genutzt wurden
Erst mehrere Jahrhunderte später, etwa im 18. Jahrhundert, begann sich die Bedeutung der Karten zu verändern.
In dieser Zeit entstand in Europa ein wachsendes Interesse an Mystik, Symbolik und esoterischen Lehren. Einige Autoren und Gelehrte begannen, die Bilder der Tarotkarten neu zu interpretieren.
Eine wichtige Rolle spielte dabei Antoine Court de Gébelin, der im 18. Jahrhundert behauptete, Tarotkarten hätten ihre Wurzeln im alten Ägypten und seien Träger eines geheimen Wissens.
Historisch lässt sich diese Theorie zwar nicht belegen, doch sie beeinflusste stark, wie Tarotkarten später verstanden wurden.
Kurz darauf entwickelte der französische Okkultist Jean-Baptiste Alliette eines der ersten Systeme, um Tarotkarten gezielt für Wahrsagerei zu verwenden.
Damit begann die Entwicklung des Tarot, wie wir es heute kennen.
Tarot und die Zeit der Hexenverfolgung
Wenn über Tarot und Magie gesprochen wird, kommt oft auch die Frage nach der Zeit der Hexenverfolgungen auf.
Die großen europäischen Hexenprozesse fanden hauptsächlich zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert statt. In dieser Zeit wurden Menschen – vor allem Frauen – beschuldigt, mit dunklen Kräften zu arbeiten.
Die Gründe dafür waren jedoch meist religiöse, soziale oder politische Spannungen.
Es gibt keine historischen Belege dafür, dass Tarotkarten eine zentrale Rolle bei den Hexenverfolgungen gespielt haben. Viele der heutigen Vorstellungen über Tarot entstanden sogar erst später.
Trotzdem wurden Wahrsagerei und andere Formen der Zukunftsdeutung über lange Zeit kritisch betrachtet oder gesellschaftlich abgelehnt.
Tarot im 19. und 20. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert erlebte Tarot eine neue Entwicklung.
Geheimgesellschaften und spirituelle Bewegungen begannen sich intensiver mit Symbolik, Mystik und Ritualen zu beschäftigen.
Eine wichtige Rolle spielte dabei der Orden der Hermetic Order of the Golden Dawn.
Dieser entwickelte viele der Interpretationen, die heute noch in Tarotdecks und Lehrbüchern verwendet werden.
Aus diesem Umfeld entstand auch eines der bekanntesten Tarotdecks der Welt: das Rider-Waite Tarot, gestaltet von Arthur Edward Waite und illustriert von Pamela Colman Smith.
Viele moderne Tarotkarten basieren bis heute auf dieser Symbolik.
Tarot und bekannte Persönlichkeiten
Über die Jahrhunderte hinweg haben sich viele bekannte Persönlichkeiten für Mystik und Wahrsagerei interessiert.
Besonders bekannt ist die französische Wahrsagerin Marie Anne Lenormand, die Anfang des 19. Jahrhunderts lebte.
Ihr wurde nachgesagt, dass sie für bedeutende Persönlichkeiten ihrer Zeit Karten legte – darunter auch Napoleon Bonaparte und seine Frau Josephine de Beauharnais.
Ob alle diese Geschichten historisch exakt belegt sind, lässt sich nicht immer eindeutig sagen. Doch sie zeigen, dass Interesse an Wahrsagerei und Symbolik schon lange Teil der europäischen Kulturgeschichte ist.
Auch andere bekannte Persönlichkeiten beschäftigten sich mit Tarot oder esoterischen Symbolsystemen – darunter Schriftsteller, Künstler und Philosophen.
Tarot heute
Heute wird Tarot auf sehr unterschiedliche Weise genutzt.
Für manche Menschen ist es ein spirituelles Werkzeug. Andere sehen es eher als Methode zur Selbstreflexion oder als kreativen Zugang zum eigenen Unterbewusstsein.
Viele moderne Tarotpraktizierende verstehen die Karten nicht als festgelegte Zukunftsvorhersage, sondern als Möglichkeit, neue Perspektiven auf eine Situation zu gewinnen.
Die Bilder und Symbole können dabei helfen, Gedanken und Gefühle bewusster wahrzunehmen.
Und genau darin liegt vielleicht die besondere Stärke des Tarot:nicht unbedingt darin, die Zukunft vorherzusagen – sondern darin, uns dabei zu unterstützen, uns selbst besser zu verstehen.
Wenn du Interesse an einer persönliche Legung hast, melde dich gerne bei mir :-)




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